Der FiButroniker

In der Digitalisierung besteht enormer Nachholbedarf bei Klein- und Handwerksbetrieben. Das treibt seltsame Blüten.

Die Erkenntnis war erfrischend: Wir IT Profis im Rechnungswesen leben vermutlich in einer rosa roten Blase. Ist es für uns doch seit mehr als 20 Jahren normal, Standard-Software für die tägliche Arbeit einzusetzen. Gewundert wurde sich, dass die Zusammenarbeit mit Steuerberatern traditionel schwierig ist – dort wurde das Potential der EDV lange nicht erkannt. Nicht erkannt, weil der digitale Horizont regelmäßig am harten Kartonrand eines ranzigen Leitz-Ordners endete. Mir ist jetzt klar, warum das so ist.

Heute – wir schreiben das 21te Jahrhundert – wird begonnen, die Errungenschaften des letzten Jahrhunderts doch einmal in die Lehrpläne des Nachwuchs zu integrieren. Kein Scherz! In der professionellen Welt der EDV gestützten Buchhaltung ist das als selbstverständliches Grundwissen seit Jahrzehnten vorhanden. Im wesentlich größeren Beritt der Klein- und Handwerksbetriebs betreuende Zunft der Steuerratenden, wird jetzt einmal – mit großem TamTam – eine Weiterbildung dem geneigten Auszubildenen, zum freiwilligen Genuß offeriert. Das alles mit der viel genutzten Überschrift „Digitalisierung“ und für sehr viel Geld.

Bitte nachlesen (Link) sonst mag man es nicht glauben, dass ich keine Nachtschattengewächse geraucht habe. Der Fibutroniker zeichnet sich dadurch aus, daß er Pivot-Tabellen erstellen kann und um die grundsätzliche Infrastruktur in der Kanzlei Bescheid weiss. Das darf nicht wahr sein!

Den ungebremsten Genuß von bodennahen Waldgewächsen mag man aber den Damen und Herren zutrauen, welche das FEG (Facharbeiter Einwanderungsgesetz) erbrochen haben, welches jüngst zum 1.3.2020 verlesen wurde. Freudig proklamierte die Fachpresse:

Besonders flexibel zeigt sich der Gesetzgeber im Hinblick auf die Informations- und Kommunikationstech­no­logiebranche. Der Mangel an Fachkräften ist hier so groß, dass IT-Spezialisten aus Drittstaaten nun nur noch eine mindestens dreijährige Berufserfahrung und deutsche Sprachkenntnisse nachweisen müssen, um einen Aufenthaltstitel zu erhalten – ein formaler Abschluss wird nicht mehr gefordert.

HS Magazin 2020-1

Jetzt wird das Bild, das ich hier skizzierte, klar. Das Totalversagen in der Arbeitswelt soll mit Fachkräften ausserhalb der EU abgefangen werden?!

Ich verweigere es mir selbst, weiter darüber nachzudenken. Wir waren einst technologisch – und das in jeder Disziplin – jeder anderen Gesellschaft haushoch überlegen. Wir waren Spitzenreiter in der EDV! Unser Erfolg – Ja,unsere Daseinsberechtigung – war in unserer Fähigkeit zu denken begründet. Heute sind wir eines der Schlußlichter in der Digitalisierung. Einstige Entwicklungsländer haben heute einen höheren Standard, eine bessere digitale Allgemeinbildung. Es kann schon gut sein, daß das FEG funktioniert. Wenn man die zahlreichen EDV Fachkräfte hier zu Lande weiter ignoriert, kann der IT Profi aus Papua Neuguinea – der ohne Abschluss drei Jahre Computer Teile auf der Mülldeponie sortierte – unseren hier beschriebenen Angestellten das Wasser reichen.

So funktioniert Digitalisierung nicht!

Es kann nur funktionieren, wenn wir die Neugierde, das Interesse wecken. Der Informatik Unterricht muss zurück in den Lehrplan – und das schon in den Grundschulen. Der Faden muss sich dann durchziehen bis in die Berufsschulen und Universitäten. Alles andere kann nicht funktionieren.